Epilepsie

-> Siehe auch Bewusstseinsstörungen

Gerade bei dieser Erkrankung sind die nachstehenden Einschränkungen individuell zu treffen, da abhängig vom Stadium/Klinik (Anfallshäufigkeit/anfallsfreier Zeitraum) und medikamentöser Behandlung (Nebenwirkungen !). Hier sollte - allein aus juristischen Gründen - eine fachärztliche = neurologische Beurteilung erfolgen, wobei eine Einschätzung der Gefährdungsbeurteilung anhand nachfolgender Gefährdungskategorien [Anfallstypen] unter Berücksichtigung des Berufes/Arbeitsplatzes erfolgt [nach Arbeitskreis zur Verbesserung der Eingliederungschancen von Personen mit Epilepsie - Überarbeitung 1994].

Bei Vorliegen mehrerer Anfallstypen ist derjenige mit der höheren Gefährdung maßgebend.

Hierbei sind vor allen Eigengefährdung , Fremdgefährdung und ökonomisches Risiko zu beurteilen. Diese Kriterien sind wiederum abhängig von Anfallssymptomatik, Anfallshäufigkeit, Warnungen (Auren), tageszeitlicher Bindung, Anfallsauslöser und anfallsbegünstigende Umstände.

 

Gefährdungskategorie 0:

Erhaltenes Bewusstsein, erhaltene Haltungskontrolle und Handlungsfähigkeit

Kommentar: Anfälle ausschließlich mit Befindlichkeitsstörungen ohne arbeitsmedizinisch relevante Symptome; möglicherweise wird eine Handlung bewusst unterbrochen bis zum Ende der subjektiven Symptome.

 

Gefährdungskategorie A:

Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit bei erhaltenem Bewusstsein mit Haltungskontrolle

Kommentar: Anfälle mit Zucken, Versteifen oder Erschlaffen einzelner Muskelgruppen.

 

Gefährdungskategorie B:

Handlungsunterbrechung bei Bewusstseinsstörung mit Haltungskontrolle

Kommentar: Plötzliches Innehalten, allenfalls Minimalbewegungen ohne Handlungscharakter

 

Gefährdungskategorie C:

Handlungsunfähigkeit mit/ohne Bewusstseinsstörung bei Verlust der Haltungskontrolle

Kommentar: Plötzlicher Sturz ohne Schutzreflexe, langsames In-sich-Zusammensinken, Taumeln und Sturz mit Abstützen.

 

Gefährdungskategorie D:

Unangemessene Handlungen bei Bewusstseinsstörungen mit/ohne Haltungskontrolle

Kommentar: Unkontrollierte komplexe Handlungen oder Bewegungen, meist ohne Situationsbezug

 

Hieraus resultieren je nach Risiko für den beruflichen Einsatz 3 große Untergruppen:

1. Arbeiten mit Maschinen, Chemikalien, Elektrizität unter üblichen Arbeitsbedingungen, Publikumsverkehr

2. Arbeiten auf technischem Niveau eines Familienhaushaltes mit gelegentlichem Aufenthalt in der Nähe von Maschinen / Anlagen, zeitweise Publikumsverkehr

3. Arbeiten auf technischem Niveau eines Familienhaushaltes ohne Publikumsverkehr

 

Nicht geeignet für Arbeiten / Tätigkeiten

- an Bildschirmgeräten (G 37) [nur mit neurologischer Unbedenklichkeitsbescheinigung, ggf.
   maximale zeitliche Einsatzmöglichkeit angeben]

- an Hitzearbeitsplätzen (G 30)

- an Maschinen, die nicht durch Beidhandschaltungen gesichert oder gänzlich geschlossen sind

- die Beaufsichtigung / Kontrollen von anderen Personen erfordern

- die in Alleinarbeit ausgeführt werden müssen (ohne [ständige] Beaufsichtigung)
   [Angabe, ob ggf. mit entsprechenden Überwachungssystemen möglich]

- in Überdruck (G 31)

- mit absehbarem Anfall von Überstunden [ggf. Anzahl / Begrenzung angeben, z.B. nur
   gelegentlich bei personellen Engpässen als Urlaubs-/Krankheitsvertretung]

- mit Absturzgefahr (G 41) (= die Schwindelfreiheit erfordern, d.h. keine Arbeiten über 2 m
   Höhe, z.B. auf Gerüsten, auf Leitern oder auf Kränen)

- mit Atemschutzmasken / -geräten (G 26 / H 7) [angeben, ob Gruppe I / II / III]

- mit Baumarbeiten (H 9)

- mit besonderen Anforderungen an das Reaktionsvermögen [abhängig von eventuellen
  Medikamentennebenwirkungen]

- mit besonderer Anforderung an die Konzentrationsfähigkeit (= Ausdauer)

- mit besonderer Kälteeinwirkung (G 21)

- mit besonderer nervlicher Belastung (psychovegetativer Belastung)

- mit besonderer seelischer Belastung / Anspannung

- mit besonderer Verantwortung [z.B. Alleinverantwortung, Überwachung / Führung von
  Mitarbeitern, für Patienten]

- mit dauerndem oder kurzfristigen Wechsel der Arbeitszeiten [wenn keine ausreichende
  Arbeitspause gegeben ist - ggf. Zeitdauer angeben]

- mit erforderlicher körperlicher Dauerbelastung

- mit Erfordernis von Flugreisen (= keine Flugtauglichkeit)

- mit erhöhter Verletzungsgefahr

- mit Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten (G 25) [3 Jahre nach letztem Anfall]

- mit Fliegertauglichkeit

- mit Forstarbeiten (H 8)

- mit häufigem Wechsel zwischen hell und dunkel (schnelle Hell-  / Dunkeladaption)

- mit Klettern / Steigen (= die nicht ebenerdig ausgeführt werden können)

- mit Kohlenmonoxid (G 7)

- mit Lichtblendung

- mit [regelmäßigen] Nachtschichten (Anmerkung: Im öffentlichen Dienst als
    "durchgehende Wechselschicht" bezeichnet) [ggf. auch keine Wechselschicht -
    Anzahl/Begrenzung angeben, z.B. nur gelegentlich bei personellen Engpässen
    als Urlaubs-/Krankheitsvertretung]

- mit Personenbeförderung

- mit Pflanzenschutzmitteln (H 2)

- mit Styrol (G 45)

- mit Taucharbeiten

- mit Unfallgefährdung (z. B. an laufenden, unfallgefährdenden Maschinen)

- mit Zeitdruck (z.B. Fließband oder Akkord)

- mit zusätzlichem Bereitschaftsdienst (nachts, Wochenende) [ggf. Anzahl / Begrenzung ange-
  geben, z.B. nur gelegentlich bei personellen Engpässen als Urlaubs- / Krankheitsvertretung]

- nach Gesundheitsschutzbergverordnung (= Arbeiten / Tätigkeiten unter Tage)

- nach Röntgen- und / oder Strahlenschutzverordnung

- nach Seediensttauglichkeitsverordnung (= Arbeiten / Tätigkeiten auf Schiffen)

 

Anmerkung:

Weitere Hinweise für verschiedene Berufsgruppen können auch der Information des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften entnommen werden: “Empfehlungen zur Beurteilung beruflicher Möglichkeiten von Personen mit Epilepsie” [BGI 585].

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